Pauschalierung im Gastgewerbe

Bei Gastgewerbebetrieben (Gasthaus, Wirtshaus), die nicht buchführungspflichtig sind, besteht die Möglichkeit einzelne Aufwendungen pauschal von der Steuerbemessungsgrundlage abzuziehen. Die Regelungen dazu finden sich in der Gastgewerbepauschalierungsverordnung 2013.

Voraussetzungen für die Gastgewerbepauschalierung

  1. während des gesamten Wirtschaftsjahres ist eine Gewerbeberechtigung für das Gastgewerbe (§ 111 der Gewerbeordnung 1994 – GewO 1994, BGBl. I Nr. 194) erforderlich. Die Gewerbeberechtigung erlaubt die

    - die Beherbung von Gästen (Hotel, Pension, Gasthof, Zimmervermietung) und
    - die Verabreichung von Speisen und den Ausschank von Getränken (Restaurant, Gasthaus, Gastronomie)

    (bei z.B. Schutzhütten, Würstelstände, Zimmervermietung bis maximal 10 Betten, etc. ist diese Gewerbeberechtigung nicht erforderlich, die Pauschalierung kann nicht in Anspruch genommen werden)

  2. es besteht keine Buchführungspflicht (Buchführungspflicht besteht z.B. bei Kapitalgesellschaften - GmbH, hier kann die Pauschalierung nicht in Anspruch genommen werden)

  3. es werden betriebliche Einkünfte erzielt (keine Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung)
  4. es werden auch nicht freiwillig Bücher geführt

  5. aus der Steuererklärung geht hervor, dass die Gastgewerbepauschalierung zur Anwendung kommt (ankreuzen im Formular E1a)

  6. die Umsätze iSd § 125 BAO betragen nicht mehr als € 255.000 (ab 2020: € 400.000)

 

Umsatzgrenzen:bis 2019ab 2020
   
Umsatzgrenze netto:€ 255.000,00€ 400.000,00

welche Umsätze sind maßgeblich?

Zeitraum:maßgeblicher Umsatz:
vorangeganges Wirtschaftsjahr - 12 Monatevorangegangenes Wirtschaftsjahr
Betriebsübernahme mit BuchwertfortführungUmsatz Rechtsvorgänger
vorangeganges Wirtschaftsjahr - Rumpfwirtschaftsjahr  (Betriebseröffnung Unterjährig)vorangegangenes Wirtschaftsjahr auf 12 Monate hochgerechnet
BetriebseröffnungUmsatz laufendes Jahr (Jahr der Betriebseröffnung)

 

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Abgrenzung Gewerbe - Privatzimmervermietung

Werden bei einem Beherbergungsbetrieb (Zimmervermietung) Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erklärt, ist die Gastgewerbepauschalierung nicht anwendbar. Eine Voraussetzung für die Anwendbarkeit der Gastgewerbepauschalierung ist die Erzielung von Einkünften aus Gewerbebetrieb. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung liegen z.B. bei Privatzimmervermietung von nicht mehr als zehn Betten vor.

Pauschalierte Betriebsausgaben im Gastgewerbe

Die Pauschalierung gliedert sich in 3 Ausgabenblöcke:

  1. Grundpauschale
  2. Mobilitätspauschale
  3. Energie- und Raumpauschale

Das Grundpauschale muss immer genommen werden. Das Mobilitätspauschale und das Energie- und Raumpauschale können wahlweise in Anspruch genommen werden. Werden einzelne Blöcke nicht genommen sind die in diesen Block fallenden, tatsächlichen Betriebsausgaben anzusetzen.

Wird in einem Wirtschaftsjahr (Basisjahr) das Grundpauschale erstmalig in Anspruch genommen, so ist in den folgenden zwei Wirtschaftsjahren ebenfalls das Grundpauschale in Anspruch zu nehmen und Aufwendungen, die unter das Mobilitätspauschale und unter das Energie- und Raumpauschale fallen, in gleicher Weise zu behandeln wie im Basisjahr. Die Blockauswahl im ersten Jahr bindet für die nächsten 2 Jahre.

Wurde mit der Pauschalierung 2018 oder 2019 begonnen, dann darf das Mobilitätspauschale auch dann in Anspruch genommen werden, wenn es im Jahr 2018 bzw. 2019 nicht in Anspruch genommen wurde.

Höhe der Pauschalierung

 bis zur Veranlagung 2019ab der Veranlagung 2020
Grundpauschale

10%

mind. € 3.000,00

max. € 25.500,00

15%

mind. € 6.000,00

max. € 60.000,00

Mobilitätspauschale

2%

max. höchstes Pendlerpauschale

bzw. € 5.100,00

abhängig von Einwohneranzahl der Gemeinde

bis 5 000 EW:
6% max. € 24.000,00

von 5 000 bis 10 000 EW:
4% max. € 16.000,00

ab 10 000 EW:
2% max. € 8.000,00

Energie- und Raumpauschale

8%

max. € 20.400,00

8%

max. € 32.000,00

(Bemessungsgrundlage ist der Umsatz gem. § 125 BAO incl. COVID - Umsatzersatz)

Maßgeblich für die Einwohnerzahl für das Mobilitätspauschale ist der von der Statistik Österreich für den Finanzausgleich ermittelte Wert zum Stichtag 31.10 des Vorjahres.

Beträgt die Bemessungsgrundlage weniger als € 40.000 (bis inkl. 2019: € 30.000), darf durch den Ansatz des Pauschales von € 6.000 (bis inkl. 2019: € 3.000) kein Verlust entstehen.

Wirkt sich das Grundpauschale nicht aus, weil die Berücksichtigung der nicht pauschalierten Betriebsausgaben zu einem Verlust führt, kommt die Inanspruchnahme des Mobilitätspauschales bzw. des Energie- und Raumpauschales nicht in Betracht (RZ 4303 EStR 2000).

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Zusätzlich zu den Pauschalen voll abzugsfähige Betriebsausgaben

Neben den Pauschalen (Grundpauchale, Mobilitätspauschale, Energie- und Raumpauschale) bleiben folgende Betriebsausgaben weiterhin voll abzugsfähig:

  1. Wareneinsatz (auch verkaufte Schipässe, Sommercards etc)
  2. Löhne und Lohnnebenkosten
  3. Sozialversicherungsbeträge
  4. Aus- und Fortbildung von Arbeitnehmern
  5. AfA, Instandhaltung und Instandsetzung
  6. Miete und Pacht von Liegenschaften (unbewegliche Wirtschaftsgüter); dazu zählt zB auch die Anmietung von fremden Hotelzimmern um Spitzen auszugleichen.
  7. Fremdmittelkosten
  8. GFB-Grundfreibetrag
  9. die unter das Mobilitätspauschale fallende Aufwendungen, wenn dieses nicht in Anspruch genommen wird
  10. die unter das Energie- und Raumpauschale fallende Aufwendungen, wenn dieses nicht in Anspruch genommen wird

Steuerberatungskosten können als Sonderausgaben berücksichtigt werden.

Durch das Grundpauschale abgedeckte Ausgaben

Das Grundpauschale deckt sämtliche Betriebsausgaben ab ausgenommen:

  1. die von Mobilitätspauschale
  2. und Energie- und Raumpauschale abgedeckt sind und
  3. derjenigen, die auch bei Pauschalierung in tatsächlicher Höhe geltend gemacht werden können

Vom Grundpauschale abpauschalierte Betriebsausgaben sind jedenfalls:

  • Ausgaben für ein im Wohnungsverband gelegenes Arbeitszimmer sowie Einrichtungsgegenstände der Wohnung
  • Bürobedarf
  • Telefon, Internet
  • Buchhaltungsaufwand
  • Beiträge zu Berufsverbänden
  • Werbung
  • Literatur
  • Bewirtung und Betreuung
  • Versicherungen, soweit sie nicht Räumlichkeiten oder betrieblich genutzte Fahrzeuge betreffen
  • Geringwertige Wirtschaftsgüter
  • betriebliche Spenden

Durch das Mobilitätspauschale abgedeckte Ausgaben

Durch das Mobilitätspauschale sind folgende Ausgaben abpauschaliert:

  • Sämtliche betriebliche Kfz-Kosten (Abschreibung, Versicherung, Wartung, Treibstoff)
  • Reisekosten des Unternehmers selbst (nicht für Dienstnehmer), zB Diäten, Kfz-Kosten
  • Kosten für öffentlichen Verkehrsmittel

Wird das Mobilitätspauschale nicht in Anspruch genommen können die Aufwendungen in tatsächlicher Höhe abzüglich eines Privatanteiles angesetzt werden.

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Durch das Energie- und Raumpauschale abgedeckte Betriebsausgaben

Folgende Ausgaben (nicht vollständige Aufzählung) sind durch das Energie- und Raumpauschale abpauchaliert:

  • Strom
  • Wasser
  • Kanalgebühr
  • Gas
  • Öl, Holz, Kohle, Pellets
  • Reinigung
  • Rauchfangkehrer
  • liegenschaftsbezogene Abgaben und Versicherungen (zB Grundsteuer)

Vom Energie- und Raumpauschalie nicht umfasst sind die Ausgaben für

  • Abschreibung
  • Ausgaben für Instandhaltung und Instandsetzung und
  • Ausgaben für Miete und Pacht

soweit sie Räumlichkeiten betreffen, die der Betriebsausübung dienen.

Der hier veröffentliche Beitrag stellt die Meinung der AutorInnen dar und kann eine Beratung durch RechtsanwältInnen, NotarInnen, SteuerberaterInnen oder BilanzbuchhalterInnen nicht ersetzen.