Pauschalierung Lebensmitteleinzelhandel

Lebensmitteleinzel- oder Gemischtwarenhändler sind Gewerbetreibende, die einen Handel mit Waren des täglichen Bedarfs weitaus überwiegend in Form eines Kleinhandels ausüben.

Weiters müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Betriebseinnahmen (einschließlich USt) aus Lebensmitteln müssen im Durchschnitt der letzten drei Jahre (Beobachtungszeitraum) mindestens 50% der gesamten Betriebseinnahmen ausgemacht haben.
  • Der Anteil an Betriebseinnahmen aus be- und verarbeiteten Lebensmitteln (z.B. Wurstsemmel) darf im Durchschnitt der letzten drei Jahre höchstens 25% des Lebensmittelumsatzes (einschließlich USt) betragen

Der Beobachtungszeitraum für die Berechnung, ob die Voraussetzungen im Sinne der angeführten Prozentzahlen vorliegen, sind die letzten drei Wirtschaftsjahre. Wird der Betrieb im Erbweg übertragen, sind die Verhältnisse beim Erblasser maßgeblich. In allen anderen Fällen (Übergabe durch Schenkung, Kauf, Betriebseröffnung) ist ausschließlich auf die Verhältnisse des Unternehmers selbst abzustellen. Liegen noch keine drei Betriebsjahre vor, kann ein kürzerer Beobachtungszeitraum herangezogen werden.

Nur Einnahmen-Ausgaben-Rechner sind zur Pauschalierung berechtigt. Daher dürfen die Umsätze zweier aufeinander folgender Jahre – mit einer Übergangsfrist bis zum Jahr 2009 – nicht mehr als € 600.000,– (netto) betragen haben. Ab dem Jahr 2010 gelten die Buchführungsgrenzen des Unternehmensgesetzbuches. Die Umsätze dürfen dann in zwei aufeinander folgenden Jahren nicht mehr als € 700.000,– oder in einem Jahr nicht mehr als € 1.000.000,– betragen haben.

Unternehmer, die zur Buchführung verpflichtet sind (z.B. eine GmbH) oder die freiwillig eine doppelte Buchhaltung führen, sind von der Pauschalierung ausgeschlossen.

 Gewinnpauschalierung 

Der pauschalierte Jahresgewinn errechnet sich aus einem Sockelbetrag von € 3.630,– zuzüglich 2% der Betriebseinnahmen (einschließlich USt). Von dem nach diesen Sätzen ermittelten Gewinn dürfen keine Betriebsausgaben abgezogen werden. Eine Aliquotierung des Sockelbetrages bei unterjährigem Beginn bzw. Aufgabe des Betriebes ist unzulässig.

 Vorsteuerpauschalierung 

Die Vorsteuer ist mit 7% der Betriebseinnahmen einschließlich USt pauschaliert, die auf Umsätze mit Lebensmittel entfallen, die dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 10% unterliegen. Getränke sind davon ausgenommen

Daneben dürfen folgende Vorsteuern abgezogen werden:

  • abnutzbare Anlagegüter, deren Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten € 1.100,– übersteigen
  • die Lieferung und den Eigenverbrauch von Grundstücken des Anlagevermögens
  • Handelswareneinkäufe, die nicht dem Vorsteuerpauschale unterliegen (z.B. Waschpulver, Zahnpaste, Papierwaren, etc.)
  • sämtliche Getränkeeinkäufe
  • Fremdlöhne

Inanspruchnahme der Pauschalierung

Die Pauschalierung kann wahlweise sowohl für den Gewinn als auch für die Vorsteuern (unabhängig voneinander) in Anspruch genommen werden.

Bei der Gewinnpauschalierung kann man jedes Jahr neu entscheiden, ob der Gewinn nach den Pauschalsätzen oder augrund von genauen Aufzeichnungen ermittelt wird.

Die Vorsteuerpauschalierung muss zumindest zwei Jahre lang durchgeführt werden. Erst dann kann auf die genaue Vorsteuerermittlung übergegangen werden. Ein neuerlicher Wechsel zur Vorsteuerermittlung nach Durchschnittsätzen ist erst wieder nach fünf Kalenderjahren zulässig.

Aufzeichnungen

Am Jahresende müssen die Gesamtbeträge pro Warengruppe ermittelt und in das Wareneingangsbuch eingetragen werden.

  • Die Einnahmen müssen nach 0%igen, 10%igen und 20%igen Umsätzen getrennt erfasst werden. Es besteht auch die Möglichkeit, die Umsätze unter Berücksichtigung des Wareneinkaufes nachträglich zu trennen. Diese Art der Umsatzaufteilung muss jedoch vom Finanzamt vorher bewilligt werden
  • Es genügt ein vereinfachtes Wareneingangsbuch: Sämtliche Wareneingangsbelege sind in zeitlicher Reihenfolge mit einer fortlaufenden Nummer zu versehen und abzulegen. Es reicht eine Trennung nach Warengruppen und Umsatzsteuersätzen mit branchenüblicher Sammelbezeichnung wie
    • Lebensmittel
    • Getränke 20%
    • Getränke 10%
    • sonstige Waren 20%
    • sonstige Waren 10%.
  • Rechnungen über Anlageninvestitionen, für die Vorsteuern gesondert geltend gemacht werden dürfen, müssen aufgezeichnet werden
  • Die Führung einer Anlagekartei ist zwar nicht verpflichtend, jedoch zu empfehlen, weil dadurch ein späterer Umstieg zu anderen Arten der Gewinnermittlung erleichtert wird. Belege und Unterlagen sind nach den gesetzlichen Bestimmungen (üblicherweise 7 Jahre) aufzubewahren

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